Karriere heute

 „Karriere heute“

Karriere wird meist als die so genannte „Kaminkarriere“ verstanden: jung, schnell und steil nach oben. Sie ist assoziiert mit einer hierarchisch hohen Position, verbunden mit Macht, Status und hohem Einkommen sowie Bewunderung und gesellschaftlicher Anerkennung. Immerhin ein Drittel aller Arbeitnehmer wollen beruflich aufsteigen (Forsa 1998).

Der Begriff ist aber auch oft negativ besetzt; assoziiert mit Verachtung und Missgunst, einem unlauterem Charakter: Kein Wunder das der Karriere macht…, so wie der ist…! Skrupellos die Ellenbogen einsetzen, Streber sein und ohne Rücksicht auf andere die Leiter erklimmen.

Gesundheit, Beziehungen und die Freizeitgestaltung leiden zusätzlich massiv unter der persönlichen Karriere.

Was ist den nun „eine gute Karriere“?

Der historische Blick auf die Entwicklung des Karrierebegriffs und ein internationaler Vergleich helfen, eine erste Einordnung vorzunehmen.

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war „carrière“ die Bezeichnung für eine Pferderennbahn. Der Begriff wurde häufig in Verbindung mit Schnelligkeit und Aggressivität benutzt. Die schnellste Gangart der Pferde wird auch heute noch „carrière“ genannt.

In Deutschland des 19. Jahrhunderts wurde die Reiterattacke der Kavallerie „Karriere“ genannt, der Begriff also militärisch verwendet.

In anderen Sprachkulturen findet sich der Begriff mit anderer Bedeutung wieder. Im Portugiesischen zum Beispiel wird „carreia“ für die Straße oder den Weg, also als Richtungsangabe verwendet.

Im Amerikanischen wird „career“ ganzheitlich als individuelle persönliche und berufliche Entwicklung verwendet. Er bezeichnet alle möglichen Richtungen und Verläufe einer Person im Laufe ihres Berufslebens.

Karriere im hier gemeinten Sinne, orientiert sich an drei Kriterien:

  • Qualifikation
  • Ziele
  • Möglichkeiten

Persönliche Neigungen und fachliche Fähigkeiten bestimmen die Qualifikation.

Die individuellen Zielsetzungen werden daraus abgeleitet.

Gesellschaftlich vorgegebene, sich ständig verändernde Rahmenbedingungen fördern oder hemmen die Zielerreichung.

Häufig wird Karriere auch einseitig als erreichen einer reinen „Führungsposition“ verstanden.

In Deutschland sieht ein üblicher Karriereverlauf folgendermaßen aus:

Nach 12 Jahren Anstellung in einer bestimmten Position in einem Unternehmen erfolgt ein Aufstieg mit mindestens zwei bis dreijähriger Verweildauer. Je höher eine Position ist, desto länger sollte sie eingenommen werden, als Zeichen dafür, dass man diese erfolgreich ausgefüllt hat (vgl. „Peterprinzip“). Drei solcher Wechsel mit durchschnittlich fünf Jahren Verbleib gelten als erfolgreich. Branchenunterschiede (Bank versus IT-Branche) sind dabei ebenso zu berücksichtigen, wie die internationalen Unterschiede; beispielsweise zu Amerika.

46 % der Führungskräfte haben früher (1992) Karriere gemacht, ohne je das Unternehmen zu wechseln.

Dabei haben sie und ihre Förderer vorwiegend auf die Stärkung ihres Fachwissens gebaut.

Viele der die Karriere maßgeblich beeinflussenden Faktoren haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert.

Durch den rasanten Wechsel in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft werden heutige und zukünftige Führungs- und Fachkräfte mit immer komplexeren Herausforderungen, wie brachenübergreifende und betriebswirtschaftliche Kenntnisse, interdisziplinäre und interkulturelle Zusammenarbeit, Teamfähigkeit, Motivationsfähigkeit, u. a.,  konfrontiert werden. Der bekannte Zukunftsforscher Prof. Mathias Horx hat erst kürzlich auf der Didacta 2006 auf die neuen Herausforderungen an die Gestaltung der Employabilität der Arbeitnehmer der Zukunft ebenso hingewiesen, wie Fr. Prof. Rump von der FH-Ludwigshafen.

Durch die Informationstechnologie und die Entwicklung der modernen Dienstleistungsgesellschaft benötigt die Privatwirtschaft heute völlig andere Fertigkeiten der Arbeitnehmer als noch vor 30 Jahren. Globalisierung, Mobilität, schlanke Hierarchien, moderne Managementkonzepte, immer höhere Produktivität, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen wie z.B. die Bevölkerungsentwicklung oder die aktuelle Wirtschaftskrise machen eine berufliche Entwicklung heute immer weniger vorhersehbar. Laufbahn und Karriere sind eben nicht mehr in festgelegte und planbare Schritte einteilbar, welche direkt zu dem angestrebten Ziel führen.

Unter anderem wählen deutsche Unternehmen ihre Führungskräfte nach folgenden Kriterien aus:

  • Fachwissen
  • Analytisches Denken, Kreativität und Innovationsfähigkeit
  • Hohe Motivation und Leistungsbereitschaft
  • Emotionale Stabilität, Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion
  • Sozialemotionale Kompetenzen
  • Gute Kommunikationsfähigkeit
  • Gewisse Risikobereitschaft
  • Fähigkeit zu unternehmerischen Denken und Handeln
  • Fremdsprachen- und EDV-Kenntnisse
  • usw.

Was folgt daraus?

Was kann man denn überhaupt noch konkret für seine Karriere tun?

Die klare Orientierung an den eigenen persönlichen und fachlichen Fähigkeiten unter Beachtung der vorgegebenen Rahmenbedingungen ermöglicht es auch heute, Karriere systematisch zu planen.

Nur die Zielrichtung ist nicht vorwiegend vertikal, sondern viel mehr horizontal.

Projektlaufbahn, Fachlaufbahn, Gremienlaufbahn, Beraterlaufbahn oder Selbständigkeit bieten heutzutage vielfältige Alternativen.

Der beruflich bedingte Wechsel von einer fachlichen Position zu einer Projektleitung ist heute eher die Regel als die Ausnahme. Auch mehrere Projektleitungen hintereinander auf der gleichen Hierarchiestufe einzunehmen, ist nicht unüblich. Durch das Prinzip des Lean-managements sind die Hierarchiestufen in den Unternehmen deutlich reduziert worden, so dass Karrierepfade eher horizontal verlaufen.

Unter dem Stichwort „Worklife-Balance“ wird eine weitere Möglichkeit des Umgangs mit der beruflichen und privaten Karriereplanung beschrieben.

Laut dem BAT-Feizeitforschungsinstitut (1998) gibt es einen Trend hin zur „sanften Karriere“, weg von der ausschließlichen Orientierung an Prestige und Position. Hierbei sind der Spaß an der Arbeit, ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit und der gelungene Kompromiss mit den Bedürfnissen der privaten familiären Umwelt besonders wichtig. Die persönlichen Zielsetzungen im Leben stehen oft im Gegensatz zu den hohen Anforderungen und dem notwendigen Verzicht, den eine berufliche Karriere heute voraussetzt. Hier eine sinnvolle, lebbare Balance zu finden, ist ein immer wichtiger werdender Bestandteil der individuellen Karriereplanung.

Es ist wie in allen Lebensbereichen, die ein gewisses Maß an Komplexität überschreiten folgerichtig, dass auch hier eine kompetente Karriereberatung hilft, sich zu orientieren, eigene, realistische und erreichbare Ziele zu setzen.

Eine umfassende Karriereberatung ist ein kontinuierlicher Prozess, der ca. 4 bis 6 Monate dauert und in verschiedene Phasen untergliedert. Die Findung der eigenen Vision der optimalen Stelle, eine radikale Stärken/Schwächenanalyse gehören ebenso dazu wie die konkrete Durchsicht der Bewerbungsunterlagen, der Vor – und Nachbereitung von Bewerbungsgesprächen und die Begleitung der ersten Schritte im neuen Job durch einen Coach.